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8. Berliner Milchforum 2017

Das Berliner Milchforum ist auch in seiner achten Ausgabe der zentrale jährliche Treffpunkt der Milchbranche. Hinsichtlich der aktuellen Marktlage führte Peter Stahl, Hochland SE und Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes (MIV), aus: „Der Milchmarkt 2017 zeigt sich bisher gegenüber dem Vorjahr in einer deutlich besseren Verfassung und das ist gut für Milcherzeuger und Molkereien. Allerdings sollte dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Märkte sich in ihren Verwertungen sehr unterschiedlich darstellen“.

Milchanlieferung unter Vorjahr

Deutsche Milcherzeuger haben im Jahr 2016 31,3 Mio. Tonnen Milch an deutsche Molkereien geliefert. Das waren im Tagesdurchschnitt 0,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Gehalte an Inhaltstoffen haben sich dagegen im Vergleich zum Jahr 2015 leicht erhöht. Der saisonale Anstieg der Milchanlieferung in Deutschland setzt sich derzeit weiter fort und der Rückstand gegenüber dem Vorjahr hat sich zuletzt auf 2,8 Prozent etwas verringert.

 

Milchmarkt 2017 mit unterschiedlichen Vorzeichen

Erzeugerpreise gestiegen

Die Erzeugerpreise für Rohmilch sind seit dem Spätsommer 2016 in der Breite gestiegen und bewegen sich im März überwiegend zwischen 30-35 Cent/kg Rohmilch (netto bei 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß). Damit liegen die Milchpreise mehr als 20 Prozent über den Märzpreisen 2016. Auffällig ist hier die deutliche Spreizung sowohl zwischen Nord und Süd als auch zwischen den einzelnen Molkereien einer Region. Dies beruht nicht zuletzt auf der Produktionsausrichtung der einzelnen Unternehmen. Lediglich bei Biomilch hat sich 2016 das Preisniveau relativ stabil gehalten, obwohl die Anlieferung von Biomilch in Deutschland im Jahr 2016 stärker als in den Vorjahren im Tagesdurchschnitt um 8,3 Prozent gestiegen ist. Insbesondere die Herstellung von Bio-Konsummilch (+12,5 Prozent) und Bio-Käse (+8,6 Prozent) wurde nach amtlicher Statistik deutlich ausgeweitet. Dennoch werden in der erfolgreichen Nische Bio nur 2,54 Prozent der gesamten Milchanlieferung in Deutschland erzeugt.

Den Molkereien ist durchaus bewusst, dass das erreichte Preisniveau die finanzielle Situation auf Seiten der Milcherzeuger zunächst entlastet, aber bislang nicht ausreicht, um damit die letzte Tiefpreisphase auszugleichen und Rücklagen für volatile Märkte zu bilden.

Was machen die Märkte

In der Betrachtung der wesentlichen Märkte für das vergangene Jahr und Anfang 2017 ist festzustellen, dass insbesondere im Segment Butter der Nachfrage ein ausreichendes, aber für die Jahreszeit vergleichsweise geringes Angebot gegenübersteht. Die Milchpreise werden somit insbesondere über den Fettmarkt gestützt. Die Nachfrage nach abgepackter Butter wird bei dem derzeitigen Preisniveau als gut eingeschätzt. Hinzu kommt noch Kaufinteresse aus Drittländern, so dass Unsicherheit über die Verfügbarkeit in der zweiten Jahreshälfte besteht. Im weißen Sortiment war im Jahr 2016 ein leichtes Wachstum zu beobachten. Die Herstellung von Milchmischerzeugnissen und Milchgetränken mit Zusätzen sowie die Konsummilchherstellung, die in den letzten vier Jahre kontinuierliche Rückgänge zu verzeichnen hatte, konnten ausgeweitet werden. Am Markt für Schnittkäse ist das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage weiter recht ausgeglichen. Die Bestände in den Reifelagern befinden sich auf einem normalen Niveau und haben zuletzt etwas abgenommen. Die Anbieter berichten anhaltend von steigenden Exportmöglichkeiten in Drittländer, wozu auch der schwache Euro mit beiträgt. Die Preise für Schnittkäse tendieren derzeit uneinheitlich, haben sich zuletzt aber beruhigt. Schwierig verhält sich weiter der Markt für Magermilchpulver. Die weltweite Nachfrage verläuft abwartend meist aus bestehenden Kontrakten heraus. Auch die Versuche der EU, Magermilchpulver aus den Beständen der Intervention zu verkaufen, waren nicht erfolgreich. „Hier liegt es nun auch in den Händen der EU, durch angemessene Maßnahmen die Interventionsbestände zu reduzieren. Unter dem Aspekt der humanitären Unterstützung sei beispielsweise die Unterstützung von Bedürftigen innerhalb oder auch außerhalb Europas in die Überlegung mit einzubeziehen“, regt Peter Stahl an.

Marktausblick Milch

Eine valide Prognose für das weitere Jahr 2017 ist nach wie vor schwierig. Für die nächsten Monate zeichnen sich stabile Märkte für Butter ab, bei gleichzeitig zum Teil schwächeren internationalen Notierungen im Bereich Pulver. „Wir sehen eine saisonal steigende Milcherzeugung auf der Nordhalbkugel. Der Erzeugung wird neben den bislang guten Entwicklungen im Exportgeschäft daher eine Schlüsselrolle für die Entwicklung des Gesamtmarktes zukommen. Nicht nur der Markt an sich, aufgrund von Angebot und Nachfrage, sondern auch die einzelnen Verwertungen werden uns mit einer hohen Volatilität zunächst weiter begleiten“, ist sich der Vorsitzende des MIV sicher.

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