Le Matin

Switch to desktop

Christopher Street Day Berlin 2017

Unter dem Motto “Mehr von uns – jede Stimme gegen Rechts!”​ zog der 39. CSD in diesem
Wahljahr durch die Hauptstadt. Der CSD 2017 hat angesichts der gerade vom Bundestag
beschlossenen Eheöffnung viel Grund zum Feiern – und doch noch immer viele Punkte auf der
Agenda: Dazu gehören z.B. eine LSBTTIQ*-gerechte Gesundheitsversorgung, die Ergänzung von
Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz oder eine LSBTTIQ*-inklusive Flüchtlings- und Integrationspolitik.

Viele Gründe, um knapp zwei Monate vor der Bundestagswahl Gesicht zu zeigen und auf die
Straße zu gehen!


Mehr von uns – das steckt auch hinter dem neuen Konzept zur Demo-Eröffnung: Anders als in den
Vorjahren werden wir 2017 Aktivist*innen ins Rampenlicht​ setzen, um deren tägliches
Engagement im Kampf für LSBTTIQ*-Rechte in diesem feierlichen Moment zu präsentieren und zu
würdigen. Dazu wird es Redebeiträge unserer SoSA-Preisträger*innen sowie lokaler
Community-Mitstreiter*innen geben.

Alles erreicht? Noch lange nicht: Die Kernforderungen des CSD Berlin 2017

Wir fordern:
● gleiche Rechte für Regenbogenfamilien, auch mit mehr als zwei Elternteilen!
● eine LSBTTIQ*-gerechte Gesundheitsversorgung, einschließlich bezahlbaren
Zugangs zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP)!
● Akzeptanz durch Bildung und Aufklärung!
● eine gesellschaftliche Wertediskussion!
● die Akzeptanz von Vielfalt und die vollständige Gleichstellung von LSBTTIQ* auf
institutioneller Ebene!
● die Ergänzung von Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz um die Merkmale “sexuelle
Orientierung”, “geschlechtliche Identität” und “körperliche Variation”!
● den Erhalt und die Förderung von Projekten für ältere LSBTTIQ*!
● eine qualifizierte Schulung aller Mitarbeiter*innen des Bundesamts für Migration und
Flüchtlinge zu LSBTTIQ*-Belangen!
● den Einsatz der Bundespolitik für LSBTTIQ*-Menschenrechte weltweit

 
Die Preisträger*innen der Soul of Stonewall Awards 2017

Jedes Jahr zeichnet der Berliner CSD e.V. Personen oder Organisationen mit dem Soul of Stonewall Award (SoSA; früher “Zivilcouragepreis”) aus, um dem vielfältigen Engagement für die Menschenrechte von LSBTTIQ* Respekt auszusprechen.

Kategorie LOKAL: Bernd Gaiser

Gaiser war einer der Mitbegründer des Christopher Street Days in Berlin: „Mach dein Schwulsein öffentlich!“ und „Lesben erhebt euch und die Welt erlebt euch!“ waren 1979 die zentralen Forderungen (neben der ersatzlosen Streichung des §175), als zum ersten Mal 500 lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Menschen für ihre Rechte auf die Straße gingen. Doch auch Jahrzehnte später ist Gaisers Engagement für die Community noch immer sichtbar: Der ehemalige Buchhändler ist Mitgestalter des “Lebensorts Vielfalt”, eines Mehrgenerationen-Wohnprojekts unter dem Dach der Schwulenberatung.
Laudatio: Jörg Litwinschuh


Kategorie NATIONAL: Carolin Emcke

In dem autobiographischen Buch Wie wir begehren (2013) beschrieb Emcke die Entdeckung ihrer Homosexualität. Doch es war vor allem ihr aktuelles Buch Gegen den Hass, mit dem sie eine Welle der Diskussion über gesellschaftliche Werte, ein respektvolles Miteinander und die Notwendigkeit des Friedens auslöste. Carolin Emcke stellt sich mit ihrer Arbeit der Verrohung in Gesellschaft und Politik entgegen, die nicht nur Menschen mit LSBTTIQ*-Identität immer stärker zu spüren bekommen. Die Autorin und Publizistin wurde 2016 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.
Laudatio: Jens Hillje

Kategorie INTERNATIONAL: Robert Beachy

Beachy ist ein US-amerikanische Historiker, dessen Schwerpunkt die Geschichte der Homosexualität ist. In seinem Buch Das andere Berlin konnte er aufzeigen, dass der Ursprung der homosexuellen Emanzipationsbewegung nicht erst 1969 bei den Stonewall Riots in New York lag, sondern vor weit mehr als 100 Jahren in Berlin. Das Buch untersucht die Zeit von 1867–1933; derzeit arbeitet er an Nachfolgewerken über die Zeit im Krieg und in der ehemaligen DDR.
Laudatio: Boris Dittrich

Kategorie WIDERSTAND:
Emmanuel Odhiambo Nyambwa Nyambwa ist Mitbegründer und Programm-Direktor von Youth Health and Psychosocial Program (YHEPP). YHEPP ist eine Graswurzel-Organisation, die in Nairobi seit 2014 Hilfe und Empowerment für Menschen mit LSBTTIQ*-Identität anbietet. Der erst 25-Jährige hat zudem zahlreiche Berichte verfasst, in denen er auf die Situation der LSBTTIQ*-Gemeinde in Kenia aufmerksam macht. Als Global-Changemates-Stipendiat konnte er sein Projekt in Berlin einem 12/16 breiten Fachpublikum vorstellen und über die Yogyakarta-Allianz bekannt machen. Derzeit arbeitet Nyambwa mit seinen Partnern daran, eine Website für YHEPP zu gestalten, die der Aufklärung und Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen gegen LSBTTIQ* auf lokaler Ebene dient. Der SoSA für Widerstand wird wie jedes Jahr mit Unterstützung von Queeramnesty verliehen.
Laudatio: Stephan Cooper

Kategorie LEBENSWERK: Selmin Çalışkan
Çalışkan, Tochter türkischer Einwanderer, hat sich früh für politische Themen engagiert. Bereits mit 20 war sie Mitbegründerin eines interkulturellen Mädchentreffs in Bonn. Anfang der 2000er Jahre war Çalışkan regelmäßig in Afghanistan, Liberia und dem Kongo, u.a. für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und für die Frauenrechtsorganisation Medica Mondiale. Für letztere baute sie eine Lobby-Abteilung mit auf und leitete sie später. In Brüssel arbeitete sie für European Women’s Lobby, einen europäischen Dachverband von Frauenorganisationen, und saß im deutschen Frauensicherheitsrat. Von 2013 bis 2016 war Çalışkan Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International, wo sie sich stets für die Positionierung von LSBTTIQ*-Themen stark gemacht hat.
Laudatio: Stephanie Kuhnen



Von Schlager über Singer-Songwriter bis Rock’N’Roll, von Big Band über Pop bis Techno: Das Programm der CSD-Hauptbühne ist 2017 ein regelrechtes Genre-Feuerwerk.

Das Bühnenprogramm am Brandenburger Tor startet um 17 Uhr – dieses Jahr mit einem besonderen Gute-Laune-Kick: Maite Kelly​, mittlerweile zuhause in der Welt des Schlagers, eröffnet das Programm mit viel Energie und Lebensfreude. Um 17:20 Uhr folgen die offiziellen Eröffnungsansprachen durch den Vorstand des Berliner CSD e.V. und Justizsenator Dr. Dirk Behrendt​. Durch den Abend am Brandenburger Tor führen dieses Jahr die CSD-Profis Eybe Ahlers​ und Annie Heger​.

Es bleibt bunt: Nach einer temporeichen Drag-Queen-Show von Divine Carousel​ gibt es Sex, Drags & Rock’N’Roll mit der SqueezeBOX! Band​ feat. Sherry Vine & Peppermint, ​die extra aus den USA angereist sind. Die London Gay Big Band ​hat bei ihrer Performance um 18:30 Uhr nicht nur die Wahl-Berlinerin Kara Johnstad​, sondern auch einen ganz besonderen Gaststar im Gepäck: die österreichische ESC-Gewinnerin Conchita​. Im Anschluss übernimmt TYNA​ mit ihren knalligen Rocksongs. Zur Prime-Time um 20:15 Uhr stehen ADAMEVA​ auf der Bühne: Die Hamburgerinnen Larissa Kerner und Marie Suberg sind laut, charmant ungehobelt, rotzfrech, intergalaktisch punkig und produzieren sexy Pop im Großformat. Das Mütze Katze DJ Team​ aus Berlin läutet mit 90er Pop und viel Spaß-Gimmicks den DJ-Block ein, bevor mit DJ Hell ​ein echter Techno-Altmeister an den Reglern steht. Prominent wird es auch noch mal ganz am Ende, wenn der Berliner DJ und Produzent Alex Ridha alias BOYS NOIZE​ auf der Bühne steht – der Techno Punk wird das CSD Finale von 23:00 Uhr bis Mitternacht ausklingen lassen.

Im Wechsel mit den Musik-Acts gibt es politische Redebeiträge sowie die Verleihung der Soul of Stonewall Awards (SoSA)​: Preisträger*innen 2017 sind Bernd Gaiser (LOKAL), Carolin Emcke (NATIONAL), Robert Beachy (INTERNATIONAL), Emmanuel Odhiambo Nyambwa (WIDERSTAND) und Selmin Çalışkan (LEBENSWERK).

Volltext nach Login